Susanne Mathes, vom 20.12.2015 00:00 Uhr, Kornwestheimer Zeitung

 

Kornwestheim – Das Musikfest auf dem Marktplatz und das Gartenfest am Oßweiler Weg finden nächstes Jahr zum letzten Mal als eigenständige Veranstaltungen statt. Vom Jahr 2017 an soll dann nur noch ein großes, dann gemeinsames Sommerfest gefeiert werden: das Musik- und Gartenfest des Liederkranzes und der Städtischen Orchester. „Das ist das Ergebnis vieler Überlegungen und Gespräche“, sagt Städtische-Orchester-Vorsitzender Michael Meyle.

Der Entschluss, so berichten Meyle und sein Kollege Uli Francke vom Männergesangverein Liederkranz, sei nicht leichtfertig gefällt worden. Beide Feste sind in Kornwestheim tief und langjährig verwurzelt und ziehen – wenn es nicht gerade so brüllend heiß ist wie im Sommer 2015 – die Menschen in Scharen an. Doch beide Vereine tun sich immer schwerer mit ihren über mehrere Tage andauernden Festen. Wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Beim Liederkranz geht vor allem der aufwändige Aufbau, der schon am Wochenende vor dem eigentlichen Fest beginnt, den Mitgliedern an die Grenzen des körperlich Leistbaren. Sie werden nicht jünger – und für das Fest müssen zwischen Obstbäumen schwere Stahlkonstruktionen für große Zelte installiert und 200 Biergarnituren aufgestellt werden. Das aber immerhin auf eigenem Grund und mit eigenen Materialien in einer Fest-Scheuer am Platz. „Manch einer hat schon zu mir gesagt: Uli, ich kann bald nicht mehr, du musst dir was überlegen“, erzählt Francke, dem jedes Mal ein Stein vom Herzen fällt, wenn Auf- und Abbau unfallfrei über die Bühne gegangen sind. „Ich bin immer heilfroh, wenn kräftige, jüngere Leute helfen, bei denen ich mir keine Sorgen machen muss, dass sie von der Leiter fallen“, räumt er ein. Für die Schichten an den Ständen werden neben Mitgliedern auch Familien, Freunde und Bekannte eingespannt. Die rund 100 Liederkranz-Mitglieder – etwa 30 davon sind aktive Sänger – kämen alleine nicht weit.

Etwas anders gelagert ist das Problem bei den Städtischen Orchestern, die 320 Mitglieder zählen – darunter 170 Aktive in den vier Abteilungen Großes Blasorchester, Jugendblasorchester, Sinfonieorchester und Akkordeonorchester. „Das Musikfest ist für uns die aufwändigste Veranstaltung im Jahr. Das schlägt sich aber finanziell nicht nieder“, sagt Michael Meyle. Das mache die Sache zunehmend schwierig, denn: „Das ist unsere wirtschaftlich wichtigste Veranstaltung. Wir haben Dirigenten, Instrumente und anderes zu finanzieren. Das kann man durch Konzerte nicht hereinholen, erst recht nicht, seit das K steht“, spielt er auf die Mietkonditionen im Kultur- und Kongresszentrum an. „Und wenn wir die Mitgliederbeiträge weiter anheben, wird es irgendwann Austritte geben.“ Zudem könne man die Strapazierfähigkeit der Mitglieder, die ja eigentlich vor allem Musik machen wollten, nicht bis ans Limit ausreizen, „indem man sie zwingt, dauernd Würstchen zu grillen und dafür auch noch Urlaub zu nehmen.“

Kosten für Wasser, Kabel, Sonnenschirme, Absperrungen oder Toilettenwagen fallen beim Musikfest an, und allein der Auf- und Abbau der Bühne schlägt mit 1700 Euro zu Buche. „Die Mitglieder können das nicht selbst machen, das ist zu gefährlich“, erklärt der Vorsitzende. Viel Aufwand, wenig Ertrag und Helfer, die am Ende fix und fertig sind: Das mache keinen Sinn mehr. „Beide Vereine“, sagt Meyle, „wollen sich nicht mehr hemdsärmelig von Fest zu Fest angeln. Wir haben eine nachhaltige Lösung gebraucht.“

Die sei nun mit dem gemeinsamen Musik- und Gartenfest gefunden. Es bündele Kräfte und wahre dennoch die Tradition. Für die Beteiligten sei aber auch klar: „Keines der Feste soll seinen Charakter einbüßen.“ Wobei Francke und Meyle das nicht befürchten. „Das Jugendblasorchester tritt sowieso schon seit Jahren bei uns auf“, ruft Francke in Erinnerung. Und eine Blasmusik-Kapelle buche er zumeist auch. „In Zukunft machen das einfach unsere Partner von den Städtischen Orchestern.“

Wie die programmatische und finanzielle Gestaltung ausgestaltet wird, das wollen die Vereine noch ausbaldowern. „Das ist aber sicher unser kleinstes Problem“, sind sich die Vorsitzenden sicher. Zeit ist bis dahin noch. Denn 2016 finden noch beide Feste in alter Manier statt: das Musikfest vom 25. bis zum 27. Juni, das Gartenfest – es feiert 2016 sein 75-jähriges Bestehen – vom 8. bis 11. Juli. Beide Vereine unterstützen einander dabei schon gegenseitig.

Für 7. bis 10. Juli 2017 ist dann das erste Musik- und Gartenfest am Oßweiler Weg terminiert. „Wir freuen uns über den gemeinsamen neuen Weg“, beteuerten die Vorstände dieser Tage ihren Mitgliedern gegenüber in einem Rundschreiben und baten um Unterstützung. Denn: „Auch das neue Musik- und Gartenfest wird nur mit Ihrer Tatkraft machbar sein.“

 

Kräfte bündeln, Tradition bewahren

Für einen Verein immer schwerer zu stemmen: der kraftraubende und aufwändige Aufbau am Oßweiler Weg. Foto: Archiv/Peter Mann

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